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Gefühlte Stadt
 
Um herauszufinden, welche Orte einer Stadt besonders gut wahrgenommen werden, ließ Kevin Lynch, Stadtplaner und Autor, in seiner 1960 durchgeführten Studie „The Image of the City“ Einwohner amerikanischer Stadtteile ihre Viertel aus der Erinnerung heraus zeichnen und Wege durch die Stadt beschreiben. So entstanden Karten der weißen Flecken einer Stadt: Orte, die sich der Wahrnehmung durch die Bewohner entziehen.

Die aktuellen Projekte der Künstler Christian Nold und Evamarie Trischak zeigen zwei weitere kreative Zugänge, Stadt zu erfahren. Auch sie versuchen, die Wahrnehmung der Stadt auf Karten festzuhalten.


Projekt 1 – Emotionale Stadtkartierung
Der Brite Christian Nold ist Erfinder des Bio-Mapping und zeichnet Gefühlslandkarten von Städten. Zum Erstellen dieser Karten gibt Nold freiwilligen Teilnehmern GPS-Gerät und eine Art Lügendetektor mit auf den Weg durch ihre Stadt. Puls und Hautwiderstand werden aufgezeichnet und mit Orts- und Zeitangabe verknüpft. Das Ergebnis sind dreidimensionale „Emotion-Maps“, ergänzt durch ausführliche Kommentare der Versuchsteilnehmer zu einzelnen Wegpunkten. Die emotional eingefärbten Karten ermöglichen uns in Zukunft, Wege durch eine Stadt nach den gewünschten Empfindungen zu planen.

Emotion Map
Beispiel einer Emotion-Map. Nicht nur Christian Nold arbeitet mit den von Google zur Verfügung gestellten Diensten „Google-Maps“ und „Google-Earth“. Mittlerweile gibt es eine unüberschaubare Anzahl an Karten, die sich als virtuelle Transparentfolien (Layer) über die Google-Welt legen lassen.

Link: Emotionale Stadtkartierung



Projekt 2 – Stichproben von Wien
Eine gänzlich andere Wahrnehmungsebene der Stadt öffnen die Künstlerin Evamaria Trischak und ihr Kollege Oswald Berthold in ihrem Projekt „4816“.
Sie haben über die Stadt Wien, 48° nördlich des Äquators und 16° östlich von Greenwich gelegen, ein Raster von 185 Kreuzungspunkten gelegt.
Mit Hilfe von GPS-Empfängern versuchen nun Freiwillige diese Punkte zu finden. Ihre Aufgabe besteht darin, dort Fotos der Umgebung in die Haupthimmelsrichtungen zu machen und sie anschließend samt ihrer gesammelten Eindrücke in einer Online-Datenbank zu dokumentieren.

Projekt 4816
Rund 85% der 185 Punkte wurden bisher gefunden

So entsteht Schritt für Schritt eine etwas andere Fotolandkarte Wiens. Im Grunde gehe es aber weniger um eine systematische Kartierung, als um die Erfahrungen, welche die Teilnehmer bei ihren Erkundungstouren machen, erläutert die Initiatorin Evamaria Trischak im Interview. Herkömmliche Wege durch die Stadt werden verlassen. Punkte in der Peripherie sind gleichwertig mit Punkten im Zentrum der Stadt. Trischak: „Wichtig bei der Erstellung des Konzepts war auch, dass, unabhängig von unseren Vorlieben, neutrale Orte in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Wien wird zum Abenteuerterritorium.“

Übrigens: Für Abenteuerlustige bleiben noch einige Punkte, die entdeckt werden wollen. Etwa der Punkt 1721, für dessen Erkundung ein offensichtlich gescheiterter Mitstreiter das Mitbringen eines Bootes empfiehlt.

Link: Projekt 4816


 
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